28 hrs later: A sort of homecoming 1


Etwas geplättet von der Reise und der Zeitverschiebung, doch ich bin wieder in der Republik. Die Reise zog sich wie Kaugummi, ich fand nicht viel Schlaf. Mit dem Übergepäck ging es nach einem letzten Treffen mit Studenten via Taxi zum Bahnhof. Es schüttete nicht nur vom Himmel, denn irgendwie fasst einen dann schon die Traurigkeit, wenn man sich nach 18 Monaten von etwas entfernt, auch wenn es keine einfache Zeit vor Ort war. Hier angekommen fühlt es sich an, wie sich zwischen 2-12 Realitäten zu bewegen, allerdings überwiegt dann hier schon die deutschsprachige Variante. Gerade fiel mir während eines Telefongesprächs dann auch noch eine lustige Bezeichnung für die lange Reise ein: Popo plättend.
Die letzten Wochen und Tage in Kanazawa vergingen zwischen träge und rasant schnell, meist begleitet von Regen und ähnlich trübem Gedankengut. Es gab viel zu organisieren und zu erledigen, was Kraft, Zeit und Geld kostete und gegen Ende wurde der Druck immer größer. Die Katastrophe, die ich dann zudem auch im Lande noch erlebte, auch wenn ich nicht direkt von dieser betroffen war, machte es dann letztendlich jedoch ein wenig einfacher, sich mit dem Gedanken zu beschäftigen, das Land zu verlassen. Eine deutsche Zeitung hatte sich den Aufhänger “sho ga nai” aus dem Japanischen sehr zu Herzen genommen, um die wahrgenommene Ruhe seitens der Japaner zu Zeiten eines Unglücks vermeintlich auch den deutschen Lesern zu erklären. Diese Aussage mit einer Übersetzung wie “C’est la vie”: Es macht einem Europäer das Leben nicht einfacher, sondern treibt einen als kritischen Menschen fast zur Weißglut. Bezogen auf Naturkatastrophen kann man es bedingt nachvollziehen, doch der Gebrauch der Redewendung wie ein Werkzeug für alle erdenklichen Problem angehauchten Lebenslagen, kann auf Dauer arg ermüdend und leicht als Ausflucht begriffen werden. Wir, also Europäer aka Westler, seien zu kritisch: Die Medien sagten doch, was sie wüssten und was sie sagten, könne schon nicht so falsch sein. Dennoch verstehe ich meinerseits nicht, in Anbetracht der aktuellen Lage Richtung Tokyo zu gehen, weil man generell als Japaner ja auch keine Möglichkeit habe, das Land zu verlassen. Die Ausländer haben voreilig und viel zu schnell die Flucht ergriffen, hört man oft aus Unterhaltungen heraus. Wo solle man als Japaner denn auch hin?
Ich habe Japan nicht aufgrund der Katastrophe verlassen. Um es mit einigen Attributen zusammenzufassen: Ich habe das Land, nun zudem durch die Sachlage und Auswirkungen und Wahrnehmung seitens des Bewohner noch verstärkt bedingt, in vielerlei Facetten kennen gelernt. Noch lange nicht alle, es gibt noch vieles zu sehen und zu erleben, doch schon einiges im Rahmen meines Studiums und nun auch durch meine 18 Monate im Land. Bis zu einem gewissen Grad weiß ich die erlebte Naivität vieler Japaner zu schätzen, allein, weil sie mich immer wieder erstaunen lässt. Es lässt sich so einfach leben, wenn man weniger weiß oder gar wenig wissen möchte. Doch ich bin nicht so erzogen worden und so möchte ich nicht leben. Es war nur im fremdsprachlichen Bereich, in dem ich tätig war und die sehr junge Generation der Studenten kennen lernte. Universität, als akademische Einrichtung, wie ich sie erlebte und durchlebte, kann im Rahmen keiner Studie mit japanischem Hochschulwesen verglichen werden. Was in Japan passiert, bezeichne ich hiermit als “Bubble Education”, was viele Hintergründe hat und hier weder mit Statistik und Zahlen belegt werden wird, noch hierher gehört. Es ist mein subjektives Empfinden, doch nicht nur das meine. Allein vom Schulwesen her, erinnert eine Universität in Japan eher an die gymnasiale Oberstufe, doch auch auf völlig anderem Niveau und vor einem anderen Bildungshintergrund zu sehen. Allein das, was gern als “Weltwissen” von westlicher Seite aus angesehen wird, ist einfach kaum vorhanden. Könnte unter anderem auch an Geschichtsbüchern liegen, wird aber auch hier gerne heutzutage noch mit einer anderen Redewendung beschrieben, die ich auch nicht mehr hören möchte, “shimaguni da kara”, übersetzt “weil es eine Insel ist”. Ja, es ist eine Insel, verdammt! Doch als erwachsener Bürger der modernen Welt und Bewohner eines Industrielandes, hat man nicht nur die Möglichkeit, sondern auch immer mehr fast die Pflicht, Informationen zu vergleichen und die moderne Welt der Medien zu nutzen, was automatisch dazu führen würde, sich auch für kritische Inhalte zu interessieren oder Diskussion auch üben zu können. Doch so, wie ich es erlebt habe, ist es mir einfach zu weltfremd. In dem Fall kommt mir die Redewendung von eben nun als Notlüge entgegen: Ich habe es nicht mehr ausgehalten, weil es mir zu “inselig” war. Die Provinzstadt Kanazawa mit ihren klimatischen Rahmenbedingungen haben mir dann, neben dem angehäuften Herz-Müll des letzten Jahres, den Rest gegeben und zum Verlassen Japans geführt.
Ich mag das Land noch immer, werde im Rahmen meiner zukünftigen Möglichkeiten eventuell auch gerne als Tourist wiederkehren, um andere Landesteile zu besuchen. – Doch zum Leben ist es mir zu weit von allem entfernt, was mir wichtig ist und mir etwas bedeutet. Das zu erkennen und es letztendlich auch einzusehen; vielleicht war das der eigentliche Erkenntnisgewinn meines Aufenthalts in diesem Land. Ich erinnere mich noch an einen gewagten Spruch im ersten Semester seinerzeit in Bochum, den eine damalige Dozentin von sich gab:”Wer Japanisch lernen (und Japan verstehen) will, muss leiden können.” Das habe ich ungewollt im Laufe der Jahre auch oft so wahrgenommen, doch ich bin nicht mehr dazu bereit, es in irgendeiner Art und Weise noch weiter zu tun.
Wie sich die Lage in Japan noch entwickeln wird, wird sich zeigen. Vielleicht waren meine Worte oben etwas zu hart, doch ich musste für mich einiges auf den Punkt bringen, wobei vieles natürlich nur kurz umrissen wurde. Vielleicht ist dies auch gut so, wer weiß. Irgendwie leben wir alle auf Inseln, oder? Meine muss endlich schöner werden und mir zeigen, dass ich auch einiges richtig gemacht habe.
Eigentlich wollte ich an dieser Stelle auch das gleichnamige Video zum Titel des Beitrags von U2 hier einfügen, was aber aufgrund der Rechte mal wieder nicht direkt möglich ist. Daher an dieser Stelle ein Link zum Text des Liedes. Wer sich nun noch fragt, was denn auf dem Bild oben eigentlich zu sehen ist, der sollte diesen Link hier anklicken. Diese Buttons hatte ich im letzten Jahr gekauft und in meinem Rucksack vergessen. Als ich diesen vor einigen Wochen auf dem Balkon reinigte, fielen sie runter und verschwanden im Schnee. Nun tauchten sie nach vielen Tagen wieder auf und diese Schnappschüsse entstanden dabei. Auch mal anklicken, dann erscheint es in voller Größe.

One comment on “28 hrs later: A sort of homecoming

  1. Reply Die Isa Mar 25,2011 19:27

    Ich kann gerade nichts anderes machen als Heulen!!!!!!

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