the real tilt “tiltman” :: feed :: all

Nichts persönliches

Er sieht aus, wie eine ausgedörrte und krumpelige alte Bohne. Ständig hat er eine Selbstgedrehte zwischen seinen trockenen Lippen im Mundwinkel hängen. Er hat lange, dünne Beine und sehnige Arme, an deren Enden sehnige Finger ein Schwert halten. Auf dem Kopf sieht er aus, wie ein Bär um die Eier. Samuel L. Jackson hat ihm mit Vergnügen seine Stimme zur Verfügung gestellt, da er eine anscheinend eine seelische Verwandtschaft zu ihm ausmachen konnte. Die ganze, verdammte Existenz dieser Person hat dabei nur ein elendiges Ziel vor Augen: Rache.

Er ist der AFRO SAMURAI.

Einen Spitznamen hat er auch schon, dank seiner fulminanten, arg lockigen Haare, die im ständig eine Präsenz verleihen, die seinem Namen alle Ehre machen. Allerdings ist sein Spitzname meiner Fantasie entsprungen, denn ich musste unweigerlich an einen Schokoriegel aus meiner Kindheit denken, der da in Deutschland noch „Leckerschmecker“ hieß. – Ist aber nicht der wirklich Name dieses Plombenziehers, von dem man lange etwas hat. Denn eigentlich hieß der nur bei uns so. „CurlyWurly“ ist sein wirklicher Name, unter dem ihr ihn auch heute noch im gut sortierten Supermarkt oder Büdchen eures Vertrauens finden könnt. Und das ist dann auch der solide Nickname, der mir für den AFRO SAMURAI als erstes in den Kopf geschossen ist. Sucht man nun über eine nicht mehr ganz unbekannte Suchmaschine nach „Leckerschmecker“, kommen allen Beteiligten und Suchenden alle Kindheitserinnerungen wieder hoch. „Hurra!“ denken da die einen, „Oh, mein Gott! – Ja!“ die anderen. Doch riskiert selbst einen Blick, denn es lohnt sich. Ich bin dabei auf etwas gestoßen, das auch schon Millionen von Menschen vor mir gesehen haben, was ich euch aber auf keinen Fall vorenthalten kann. Denn auch hier baute mein konfuser Verstand wieder eine Brücke zum AFRO SAMURAI, der ja auch von Mr. Jackson himself gepimpt wurde. Also, schaut ihn euch an, den Mann, der nur eines im Sinn hat. Nämlich euch vor dem Bildschirm mit einem „CurlyWurly“ zu erwischen. Und glaubt mir: Der hält garantiert eine Folge lang.

PS: Ich pimpe, du pimpst, er/sie/es pimpt, wir pimpen, ihr pimpt, sie/Sie pimpen. PimpPimp, hurra!


Eine Wand, viele Wenden

Jetlag, Nervosität und grenzenlose Neugier. Blutorangene Abendsonne, wabernder Dunst, grauer Beton, übereinander laufende Autobahnen in Endlosschleifen.

Meine Ankunft in Japan 2002 war eine erlebte Mischung aus verschiedenen Realitätsüberschneidungen. Einmal der örtlichen und der individuellen, dann die Schnittmengen der Schnittmengen der anderen Leute die im Auto saßen, und mich vom Flughafen in Narita abholten. Im Nachhinein kann ich das gesamte Jahr dort als eine einzige Schnittmenge der unterschiedlichsten Momente und Gegebenheiten ansehen. Manche hatten Ecken und Kanten, einige waren asymmetrisch, viele jedoch auch rund.

Die meisten Momente sind unweigerlich mit Musik verbunden, denn die ersten Monate waren teilweise abschreckend einsam und isoliert. Ein kleines CD-Radio-Gerät war mein Tor in die fremde Welt der japanischen Medien, die jedoch auf Dauer ebenso unerträglich sind, wie die meisten Lokalsender oder anderes Formatradio. Erfrischend anders war ein wöchentliches Programm auf Inter FM, mit einem abgedrehten Moderator. Er mixte ca. 2-3 Stunden Weltmusik mit seinen Vorlieben aus Rock’n Roll’n Punk Geschichte aller Länder. So kam ich irgendwann auch bei zwei japanischen Bands an, die ich auch heute immer wieder auf-, bzw. einlege. Den Namen des Moderators habe ich vergessen, aber ich habe mitbekommen, dass er wegen der wiederholten Aufrufe zur Demonstration gegen den Irak-Krieg während der laufenden Sendung letztendlich mehrere Abmahnungen seitens des Besitzers der Radiostation bekam. Irgendwann moderierte er dann seine letzte Sendung. Dabei verwies er immer wieder auf das fehlende Rückrad seines Chefs. Der Sender gehört zu einer großen japanischen Zeitung, die wer-weiss-wem gehört. Jedenfalls rettete mir besagter Mann mehrmals die Woche und machte aus Frust irgendwie Lust, doch noch auszuhalten.

Supercar / Titel: Wonder World / Album: Jump up / 1999

Number Girl / Titel: Num-Ami-Dabutz / Album: Num Heavymetalic / 2003

Ihr letztes Lied sangen sie dann auch, vor gar nicht allzu langer Zeit, die Bands Supercar (interessantes Solo-Projekte des Leadsängers „iLL“) und Number Girl (Weirdo und Leadsänger mit neuer Band „Zazen Boys“ ist auch hörenswert) Beide hätte ich gerne einmal live vor Ort gesehen. Doch allein das Stöbern bei Tower-Records in Shibuya, mit einem der zumindest damals wenigen Döner-Wagen vor der Tür, war die Sache dann wert. Jenseits des teilweise arg gruseligen J-Pops, kann man dort in den so genannten J-Indies versinken. Ich kann dort mehrere Stunden verweilen, ohne mich zu langweilen. Die Hütte ist so gigantisch, dass der pusselige Saturn mit seinen exorbitanten Preisen direkt zum weißen Zwerg schrumpfen kann.


|