Pimp my “mamachari”
Ja, so sah ich 2002/2003 aus, als sich für ein Jahr in Yashio-shi / Saitama war. Um ein wenig unabhängiger von den öffentlichen Verkehrsmitteln zu sein, haben mir meine Gasteltern ein Fahrrad zur Verfügung gestellt, das ich dann ein bisschen meinen Wünschen entsprechend gestaltet hatte. Leider kann man es auf dem Foto nicht sehr gut erkennen, aber so giftgrün, wie das Schloss am Lenker vorne, zierten Ornamente aus reflektierender Folie den kompletten Rahmen. Es waren vorgestanzte Zahlen, die ich dann tribalartig arrangiert, überall verteilte. Ausschlaggebend dafür waren meine Bemühungen, mein Rad in einem der städtischen Fahrrad-Unterstände wieder zu finden. Die sind arg unübersichtlich und zumeist auch riesig. Sein Rad an einer Laterne oder ähnlichem abzuschließen, ist verboten. Platzmangel herrscht überall, es sind Ordner vor der den Kaufhäusern der Vororte, die kleinlichst darauf bedacht sind die Räder anzuordnen, um ja jedwede Lücke zu nutzen. Platz ist zumeist nur unter den Bahngleisen vorhanden, die bewachten Plätze sind dort allerdings kostenpflichtig. Aber auch hier gibt es eine Tages- oder Monatskarte zu erwerben. Natürlich am Automaten. Obligatorisch sind bei einem echten „mamachari“ neben der niedrigen Rahmenhöhe, der Einkaufskorb vorn, sowie das Fehlen von Gangschaltung und Vorderbremse. Licht funktioniert ebenso in den seltensten Fällen, ich habe aber auch niemanden am Abend mit Licht fahren sehen. Dafür fahren aber Radfahrer, egal zu welcher Tageszeit, auf beiden Seiten in beide Richtungen. Für alltägliche/-n Abenteuerlust/-frust ist spätestens bei Regenwetter gesorgt. Dann fahren die meisten Radfahrer mit dem Regenschirm in einer Hand los. Radwege werden in der gegenwärtigen Stadtplanung auch berücksichtigt, aber bei Vorhandensein eher missachtet, bzw. nicht als solche wahrgenommen. Verkehrserziehung auch für Radfahrer?
Mit meinem „mamachari“ habe ich wirklich lustige und auch längere Touren gemacht. Allein der morgendliche Weg zum Bahnhof nach Soka-shi, dauerte somit nur knapp 15 Minuten. Der Bus braucht ca. eine halbe Stunde im Berufsverkehr. Falls du jetzt nicht auf einem Schrottplatz, in einem Fluss oder sonstwo verrottest: Ich würde gern noch mal mit dir spazieren fahren, mein „mamachari“